Flucht vor der Polizei: Warum hohes Tempo und missachtete Anhaltesignale so gefährlich sind
Wer mit massiv überhöhter Geschwindigkeit fährt und polizeiliche Anhaltesignale ignoriert, gefährdet andere Verkehrsteilnehmende. Besonders riskant wird eine solche Fahrt, wenn sie von einer Autobahn auf gewöhnliche Strassen durch bewohnte Gebiete führt. Autofahrende, Fussgängerinnen und Velofahrer müssen nicht damit rechnen, dass sich ein Fahrzeug mit extremem Tempo nähert.
1. Weshalb steigt die Gefahr mit hoher Geschwindigkeit?
Mit zunehmender Geschwindigkeit verlängern sich sowohl der Reaktionsweg als auch der Bremsweg. Gleichzeitig bleibt weniger Zeit, um Hindernisse oder andere Verkehrsteilnehmende rechtzeitig wahrzunehmen.
Ein einfaches Beispiel: Bei Tempo 50 legt ein Auto in einer Sekunde rund 14 Meter zurück. Bei Tempo 100 sind es bereits rund 28 Meter – noch bevor eine mögliche Bremsung wirksam wird.
Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) empfiehlt deshalb, die Geschwindigkeit nicht nur an den signalisierten Höchstwerten, sondern auch an den tatsächlichen Strassen-, Sicht- und Verkehrsverhältnissen auszurichten.
2. Was gilt bei einem polizeilichen Stopp-Signal?
Wenn die Polizei einen Fahrzeuglenker mit entsprechenden Signalen zum Anhalten auffordert, sind diese Anweisungen zu befolgen.
Ruhig bleiben: Reduzieren Sie die Geschwindigkeit kontrolliert. Vermeiden Sie abrupte Fahrmanöver, durch die andere Verkehrsteilnehmende gefährdet werden könnten.
Sicher anhalten: Halten Sie dort an, wo dies unter Berücksichtigung der polizeilichen Anweisung und der Verkehrssicherheit möglich ist.
Eine Flucht kann nicht nur die Gefahr eines schweren Unfalls erhöhen. Je nach konkretem Verhalten können zusätzliche strafrechtliche Folgen entstehen.
3. Fahren trotz Ausweisentzug: Welche Folgen drohen?
Wer in der Schweiz ein Motorfahrzeug führt, obwohl ihm der Führerausweis entzogen wurde, verstösst gegen Artikel 95 des Strassenverkehrsgesetzes.
Das Gesetz sieht dafür eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe vor. Welche Sanktion tatsächlich ausgesprochen wird, hängt von den Umständen des Einzelfalls und der gerichtlichen Beurteilung ab.
Ein bestehender Führerausweisentzug darf nicht dadurch umgangen werden, dass eine Person nur kurze Strecken zurücklegt oder ein fremdes Fahrzeug benutzt. Massgebend ist, dass sie ohne die erforderliche Fahrberechtigung am Steuer sitzt.
4. Fahrunfähigkeit und Blut- oder Urinprobe
Die Fahrfähigkeit kann durch verschiedene Faktoren beeinträchtigt werden. Dazu gehören beispielsweise Alkohol, Betäubungsmittel, bestimmte Medikamente oder gesundheitliche Einschränkungen.
Besteht ein entsprechender Verdacht, können die zuständigen Behörden Untersuchungen veranlassen. Blut- und Urinproben dienen dazu, mögliche Ursachen genauer abzuklären.
Eine polizeiliche Einschätzung als fahrunfähig bedeutet nicht automatisch, dass bereits feststeht, welche Substanz oder welcher andere Umstand dafür verantwortlich war. Die Ergebnisse und die weitere rechtliche Beurteilung müssen abgewartet werden.
Gut zu wissen: Massive Geschwindigkeitsüberschreitungen können unter den gesetzlichen Voraussetzungen als Raserdelikt gelten. Welche Bestimmungen anwendbar sind, hängt unter anderem vom erlaubten Tempo, der tatsächlichen Geschwindigkeit und dem konkreten Fahrverhalten ab.
Für andere Verkehrsteilnehmende: Wenn sich ein auffällig schnelles oder gefährlich fahrendes Fahrzeug nähert, versuchen Sie nicht, es selbst aufzuhalten. Vermeiden Sie riskante Ausweichmanöver und schaffen Sie, soweit möglich, Abstand.
Praktischer Tipp: Beobachten Sie eine unmittelbar gefährliche Fahrt, können Sie die Polizei unter 117 verständigen. Melden Sie den Standort, die Fahrtrichtung und eine Fahrzeugbeschreibung, soweit dies gefahrlos möglich ist. Benutzen Sie während der eigenen Fahrt kein Mobiltelefon.
Weitere Informationen: Aktuelle Nachrichten zum Schweizer Strassenverkehr finden Sie bei Verkehrsmeldungen Schweiz. Praktische Sicherheitshinweise bietet Polizeinews Prävention.